
Was kostet ein Hundefotoshooting? Preise und Kalkulation erklärt
Transparanz für Hundeeltern
Die Preise für ein Hundefotoshooting unterscheiden sich unter Hundefotograf:innen wirklich massiv. Hier ist für jeden Geldbeutel was dabei, denn manche bieten schon ab 80,- (wenn nicht sogar weniger) Hundefotoshootings inkl. fertig bearbeiteter Bilder an, bei anderen zahlt man eher 4-stellig und höher. Wie kommen diese Preise zustande, was nehme ich für ein Hundefotoshooting und warum ist das so?
Ich finde es super wichtig für alle Hundeeltern zu verstehen, wie sich der Preis für ein Hundefotoshooting zusammensetzt. Gerade in der Tierfotografie ist es leider üblich, dass viele Fotograf:innen sich massiv unter Mindestlohn bezahlen lassen, denn es ist ja aus einem Hobby heraus entstanden, es macht ja Spaß, wir können anderen eine Freude machen und dafür können wir nicht viel Geld verlangen. Außerdem ist Fotograf:in eine nicht geschützte Berufsbezeichnung, d.h. fast keiner von uns hat eine „normale“ Ausbildung zum / zur Fotograf:in gemacht. Dementsprechend kann sich einerseits jede/r von heute auf morgen Fotograf/in nennen, andererseits fühlt man sich fast schon wie ein Hochstapler, weil man es ja nie richtig gelernt hat.
Und wenn ich hier von „nie richtig gelernt“ spreche, meine ich damit zwar, dass die wenigsten eine Ausbildung oder ein Studium absolviert haben, aber wir haben unendlich viel Zeit und auch Geld in die autodidaktische Ausbildung und in Kurse und Seminare anderer Fotografen investiert. Das heißt wir haben schon während unserer „Ausbildung“ kein richtiges Gehalt bekommen und unsere knappe Freizeit (neben dem Hauptjob) und unser Geld freiwillig investiert.
Die meisten dieser Kurse handeln vom richtigen Equipment, Bildbearbeitung, wie gehe ich mit Kund:innen um und praktische Kurse zur Fotografie, die wenigsten befassen sich mit BWL. Dann fragt man sich bei seinen ersten Anfragen: „Tja, was nehme ich denn jetzt für so ein Shooting?“, guckt bei den Mitbewerbern und macht es dann vielleicht einfach noch ein bisschen günstiger, weil man ja noch nicht so lange dabei ist. Und zack, schon hat man ein Hundefotoshootingpaket für 80,- ink. 6 fertiger Bilder in digital und gedruckt auf 13x18cm Hahnemühle Fine Art Papier.
Wie setzt sich der Preis für ein Hundefotoshooting zusammen?
Jetzt möchte ich gerne näher darauf eingehen, wie man den Preis für ein Hundefotoshooting korrekt kalkulieren sollte, damit man am Ende des Tages auch sein Essen und seine Miete bezahlen kann..
Der Stundenlohn lässt sich ganz einfach kalkulieren. In meinem Fall arbeite ich noch halbtags als TFA, muss somit nur die Hälfte meines Lohns verdienen, habe aber auch nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung, daher bleibt der Stundenlohn gleich.
Ein realistischer Stundenlohn für selbstständige Arbeit liegt bei ca. 70-90 Euro Minimum. Diese drei Gründe machen es etwas nachvollziehbarer:
Erstens: Der Stundensatz ist nicht das, was am Ende übrig bleibt, sondern das, woraus erst noch alles bezahlt werden muss, was bei einer Festanstellung der Arbeitgeber trägt, also Kranken- und Rentenversicherung, Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Zweitens: Nicht jede Arbeitsstunde ist eine abrechenbare Stunde. Website, Social Media, Buchhaltung, das ist alles reale Zeit, die niemand einzeln bezahlt, die aber trotzdem aus den wenigen Kundenstunden mitfinanziert werden muss.
Drittens: Ausrüstung, Versicherungen, Steuern und Rücklagen für schwächere Monate kommen obendrauf, bevor überhaupt ein Gewinn entsteht.
Aktuelle Zahlen zeigen: Ein Elektriker verlangt zwischen 75 und 100 Euro netto pro Stunde, ein Klempner zwischen 85 und 115 Euro, ein Kfz-Mechaniker zwischen 75 und 110 Euro. Das liegt genau in der Größenordnung, die auch für eine selbstständige Fotografin realistisch ist, wird aber bei einem Elektriker nie hinterfragt, weil klar ist, dass Ausbildung, Werkzeug, Versicherung und unternehmerisches Risiko dahinterstecken. Bei einer Hundefotografin gilt exakt dieselbe Rechnung, das wird nur seltener mitbedacht.



Preiskalkulation für ein Hundefotoshooting in der Praxis
Jetzt wenden wir diese Zahlen mal auf meinen Job als Hundefotografin an. Hierfür nehme ich die untere Grenze von 70,- / Stunde und schaue mir an, wie viele Stunden ich pro Shooting investiere und wie viele Shootings ich somit pro Monat anbieten kann. Ich arbeite 22,5h / Woche als TFA, wenn ich also einen normalen 40-Stunden-Job kalkuliere, habe ich noch 17,5 Stunden / Woche als Fotografin.
Ein Hundefotoshooting besteht aus:
– E-Mail oder Telefon Kontakt und Shootingplanung: 1h
– Equipment vorbereiten: 15 Min.
– Anfahrt und Shooting: ca. 2,5h
– Equipment nachbereiten: 15 Min.
– Bilder sortieren und grundoptimieren: 1,5h
– Digitale Entwürfer individueller Wandbilder: 1h
– Bildauswahl vorbereiten (Studio sauber halten, Snacks und Getränke besorgen, Diashow erstellen): 30 Min.
– Bildauswahl: 1,5h
– Bildbearbeitung: 2h
– Bildbestellung: 1h
– Bildabholung oder Versand: 30 Min.
= 12 Stunden pro Shooting
(es handelt sich um knapp geschätzte Werte, meistens dauert es länger, als man denkt)
Jetzt wenden wir die 70 Euro pro Stunde an. 70 Euro x 12 = 840 Euro
Ich habe 17,5h / Woche zur Verfügung. Neben den Shootings brauche ich Zeit für: Website, Social Media, Blogbeiträge, Buchhaltung, Werbung & Marketing. Wenn ich also ein Shooting pro Woche anbieten kann (=12h), habe ich für alles übrige 5,5h Zeit. Das ist denke ich realistisch bis evtl. etwas zu knapp, daher rechne ich mit 3-4 Shootings pro Monat.
Das heißt, die 840,- die ich pro Shooting verdienen muss, kann ich innerhalb einer Woche verdienen, in der ich effektiv 17,5h gearbeitet habe. Also ist mein konkreter Stundenlohn 840,- / 17,5 = 48,-
70 Euro ist also der Satz für die reine Arbeit am und mit dem Kunden, 48 Euro das, was tatsächlich pro geleisteter Arbeitsstunde bei mir ankommt, wenn ich die ganze Woche mitrechne
Bedenke: von diesen 48,- werden noch meine gesamten Fixkosten (Bildbearbeitungsprogramm, Kundenmanagementsystem, Buchhaltungssoftware, Websitehosting, Anschaffungskosten (Kameraequipment, Speichermedien, Musterprodukte, Marketingmaterial…), Altersvorsorge und Steuern abgezogen.
Wie setzt sich der Gesamtpreis eines Shootings zusammen
Ein Beispiel:
Meine Kunden zahlen 390,- Sessiongebühr, davon sind 150,- Produktguthaben, das später abgezogen wird.
Bei der Bildauswahl entscheiden sie sich für eine 10 Bilderbox (550,-) und eine Leinwand in 60 x 90 cm (300,-). Für beides zusammen zahle ich an die Druckerei ca. 250,-.
390 (Sessionpreis) + 550 (Bilderbox) + 300 (Leinwand) – 250,- (Druckerei) – 150 (Guthaben) = 840,-
(Das ist nur ein Beispiel, wieviel meine Kund:innen investieren ist immer total unterschiedlich)
Nehmen wir jetzt mal das Beispiel vom Anfang. Jemand bietet ein Hundefotoshooting für 80,- inkl. 6 Bilder und 13 x 18 cm Prints an. Das ist zwar fiktiv, aber sehe ich tagtäglich bei Kolleg:innen. Wir gehen mal davon aus, dass die Fotografin sich pro Kunde weniger Zeit nimmt, weil sie keine persönliche Bildauswahl anbietet. Dann würden 3 Stunden wegfallen, es bleiben 9 Stunden.
Jetzt gehen von den 80,- noch ca. 15 Euro an Druckereinkosten und Porto verloren. Also 65,- für 9 Stunden Arbeit = 7,22 Euro.
Dann kommen noch Fixkosten, Altersvorsorge, Steuer und nicht abrechenbare Stunden hinzu. Du merkst selbst, dass man davon niemals leben kann.
Ich bin ähnlich gestartet. Damals hatte ich zwei Hundefotoshootingpakete: Paket klein: 89,- für 4 Bilder inkl. Fotoabzüge oder Paket groß: 129,- für 8 Bilder inkl. Fotoabzüge. Das ist in unserer Branche leider keine Seltenheit.
Ich habe zum Glück „den Absprung“ geschafft, aber es hat mich sehr viel Mut und sehr viele Nerven gekostet und ich habe es nicht zuletzt nur durch die tolle Unterstützung anderer Fotograf:innen geschafft, meine Preise endlich fair zu kalkulieren.



Ein kleines Beispiel aus der (nicht weit erntfernten) Vergangenheit
Letztes Jahr hatte ich einen Stand beim Hundeschwimmen. Messestände können sehr viel bringen, können aber auch ein großer Reinfall sein. Meist mache ich nur Infostände und bringe meine Fotoprodukte zum zeigen mit. In diesem Fall wurde ich gebeten Bilder vom Hundeschwimmen zu machen und habe auch zugestimmt.
Ich bin also morgens gegen 7 Uhr losgefahren (nachdem ich am Vorabend schon meine ganzen Musterprodukte, Tische, Stühle, Banner ins Auto gepackt hatte), war dann ca. 8 Stunden vor Ort, hatte nette Gespräche mit potentiellen Kunden, habe zwischendurch die Hunde beim Schwimmen fotografiert und bin gegen 16 Uhr nach Hause gefahren. Dort habe ich alles gereinigt (es war sehr stürmisch und regnerisch und manche Hunde haben auch gegen meinen Tisch gepinkelt 🙂 und wieder an seinen Platz geräumt. So weit so gut, Marketing ist halt Fleißarbeit und vielleicht kommt ja das ein oder andere Shooting dabei rum.
Die Bilder habe ich dem Veranstalter kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein Teilnehmer schrieb mir daraufhin eine Nachricht über Instagram, dass sein Hund ja da drauf sei und der Hund würde sich sehr doll freuen, wenn er das Bild bekommen könnte (na klar ;-). Ich habe geantwortet, dass die Bilder käuflich erwerbt werden können (mir noch schnell einen rabattierten Preis von 30,- statt 40,- überlegt) und erhielt die Antwort: „Das ist ja Wucher, du solltest dich schämen!“.
Ich war also ca. 12 Stunden unterwegs, habe dann noch 1 Stunde die Bilder aussortiert und hätte mit diesen 30,- also sogar 2,30 pro Stunde verdienen können, aber es war mir nicht vergönnt 😀 Stattdessen habe ich mich geärgert, mein ganzes Business hinterfragt und am liebsten alles hingeschmissen, denn es folgte keine einzige Bildbestellung oder Buchung.
Aber man lernt ja aus seinen Fehlern. Jetzt bin ich froh, dass es so gekommen ist. Denn die Wahrheit ist: je weniger die Kunden bezahlen, desto mehr verlangen sie und desto schwieriger sind sie zufrieden zu stellen.
Das schätze ich an meinen Kund:innen so sehr. Ich weiß es ist viel Geld und manche müssen etwas länger darauf sparen, aber meine Kund:innen sind trotzdem so überaus dankbar und wertschätzend und im Gegenzug kann ich auch viel mehr Leidenschaft und Freude aufbringen, ich kann viel mehr zurückgeben und bin einfach besser in meinem Job.
Ich wollte schon unzählige Male alles aufgeben, was anderes machen, habe mich immer wieder gefragt, warum ich mir das antue. Und dann kommen diese lieben Kund:innen und geben mir so ein gutes Gefühl, den Mut genauso weiter zu machen, alle negativen Stimmen zu ignorieren und meinen Weg zu gehen.
Wie setze ich das alles für meine Fotografie um?
Das sind die Preise, das ist mein Angebot und der Wert meiner Arbeit, dafür wird es dir an nichts fehlen. Entweder bist du Feuer und Flamme oder eben nicht, und auch das ist völlig ok für mich 🙂
(Für diesen Blogartikel sind 4 Stunden unbezahlte Arbeit geleistet worden, aber das war es mir wert)
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